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Australien

 

  

 

 

1. Allgemeine Informationen

Geschichte :

Wann die Besiedlung Australiens durch Menschen begann, ist bis heute umstritten. Spuren davon werden auf bis zu 120.000 Jahre zurück datiert. Die Aborigines leben seit mindestens 50.000 bis 60.000 Jahren auf dem Kontinent und gehören damit zu den ältesten Kulturen der Welt. Lange vor der Entdeckung Australiens hatten Gelehrte im alten Europa die Existenz eines Südkontinentes behauptet. Häufig wird das rätselhafte "Südland" erwähnt.

Im 16. und 17. Jahrhundert erreichen vermutlich portugiesische und spanische Seefahrer die Küsten Australiens und gehen an Land. Im Jahre 1606 entdeckte der Niederländer Willem Jansz (siehe unter Exmouth - Strassenbezeichnung) das Land für Europa. Im Juli 1629 strandete das Handelsschiff Batavia der Niederländischen Ostindienkompanie an der Westküste, aber dessen Kapitän Francisco Pelsaert mass seiner Entdeckung keine entscheidende Bedeutung zu. Für lange Zeit, bis 1824, war die Bezeichnung „Neuholland“ in Gebrauch, erst dann führten die Briten den heute gültigen Namen ein.

Erst im Jahre 1642 entschloss sich die Niederländische Ostindienkompanie, den Kontinent durch eine geplante Expedition zu erforschen. Abel Tasman entdeckte dabei das heutige Tasmanien. Eine weitere Expedition, die Im Jahre 1696 unter Willem de Vlamingh begann, kartografierte Teile der Westküste Australiens. Die Holländer hatten aber kein Interesse, Australien zu kolonisieren.

Im April oder Mai 1770 erreichte schließlich Kapitän James Cook die Ostküste Australiens und nahm das Land formell als Neusüdwales für die britische Krone in Besitz. Der Zweck seiner Reise war das Auffinden der sogenannten Terra Australis, die nach einer in der Zeit gängigen Theorie als Gegengewicht zu den Landmassen im Norden der Erdkugel vorhanden sein müsse. Einige Entdecker machten sich auf den Weg diese sagenhafte Landmasse zu finden, segelten aber an ihr vorbei. (1642 wurde Tasmanien von seinem Namensgeber Abel Tasman entdeckt, der es für einen Teil der Hauptinsel hielt.)

Am 26. Januar1788 begann die britische Regierung in der Gegend um das heutige Sydney eine Kolonie für britische Sträflinge einzurichten.

Allgemeines

Von den 18,5 Millionen Einwohnern ist der Großteil europäischer Abstammung. Ca. 60% leben in den sechs größten Städten. Die Aborigines machen nur noch etwa 1% der Bevölkerung aus. Ein kleiner Teil von ihnen hat den traditionellen Lebensstil im Outback beibehalten.

Einreise:

Zur Einreise nach Australien benötigen Sie ein Visum.

Lage:

Australien - größte Insel und kleinster Kontinent der Welt - liegt auf der südlichen Halbkugel, südöstlich des asiatischen Kontinents. Australien ist in Bundesstaaten und Territorien aufgeteilt.
Fläche: 7.686.420 km² (einschließlich Tasmanien und den vorgelagerten Inseln).
Außenbesitzungen:
Norfolk Insel: Fläche 34,6 km², ca. 2.200 Einwohner, Hauptort Kingston.
Christmas-Island/Weihnachtsinsel: Fläche 135 km², ca. 2.000 Einwohner, Hauptort Flying Fish Cove.
Cocos- bzw. Keeling-Inseln: Fläche 14,2 km², 650 Einwohner, Hauptort Bantam.
Coral Sea Islands Territory: verstreut über eine Fläche von ca. 1 Million km², Landanteil nur wenige km².
Verwaltungsstruktur: 6 Teilstaaten (New South Wales, Queensland, South Australia, Tasmania, Victoria, Western Australia) und 2 Territorien (Australian Capital Territory, Northern Territory).

Klima/Jahreszeiten/Reisezeit:

Die Jahreszeiten in Australien sind entgegengesetzt zu den europäischen. Die jahreszeitlichen Unterschiede verringern sich, je weiter man nach Norden kommt. Im tropischen Norden (wie z.B. Darwin und Cairns) wird nur zwischen Regenzeit (November bis März) und Trockenzeit (April bis Oktober) unterschieden. Im Landesinneren hingegen kann es nachts sehr kühl werden, während es tagsüber in der Regel sehr warm ist. Nähere Angaben siehe Klima – Australien.

Zeitverschiebung:

Australien hat drei Zeitzonen. Abgesehen von Queensland, Westaustralien und dem Northern Territory hat Australien von Oktober/ November bis März Sommerzeit (Uhren werden 1 Stunde vorgestellt).
WESTERN STANDARD TIME (in Westaustralien) Mitteleuropäische Zeit (MEZ) +7 Stunden.
Während der europäischen Sommerzeit (SZ) +6 Stunden; keine australische Sommerzeit;
CENTRAL STANDARD TIME in Südaustralien und Northern Territory MEZ +8 1/2 Stunden.
Während der europäischen SZ +7 1/2 Stunden, während der australischen SZ +9 1/2 Stunden, gilt nicht für Northern Territory;
EASTERN STANDARD TIME (in New South Wales, Queensland, Tasmanien, Victoria und im Australian Capital Territory) MEZ +9 Stunden.
Während der europäischen SZ +8 Stunden; während der australischen SZ, nicht in Queensland, +10 Stunden.

Kleidung:

Bereist man den Norden Australiens (Darwin) genügt das ganze Jahr über leichte, atmungsaktive Sommerkleidung. Leichte Wollsachen werden nur ganz selten abends benötigt, aber man sollte auf jeden Fall Regenbekleidung einpacken. Für das Gebiet um Brisbane und Sydney ist für die Wintermonate leichte Wollkleidung oder ein leichter Mantel notwendig. Im Sommer braucht man auch unbedingt Regenschutz. Im Gebiet um Canberra, Melbourne und Hobart ist für die Herbst- und Wintermonate ebenfalls warme Kleidung erforderlich. Reisenden, die sich in Südaustralien - Adelaide - aufhalten, wird empfohlen, für die Sommerabende auch leichte Wollsachen und für den Winter warme Kleidung und Mantel/ Jacke mitzunehmen. Für Perth wird im Winter etwas wärmere Kleidung sowie ein leichter Mantel benötigt, außerdem sollte man Regenbekleidung einpacken. Im Allgemeinen gilt: Für das Landesinnere (Outback) sollte man gutes Schuhwerk haben sowie ausreichend Sonnenschutz (auch Kopfbedeckung). Für das Great Barrier Reef sollte man an Turnschuhe mit guten Gummisohlen denken, denn die Korallen sind sehr
scharfkantig.

Wir empfehlen praktische und legere Kleidung. Nur in sehr guten Restaurants und Hotels wird meist feinere Garderobe erwartet.

Speisen & Getränke:

Australien ist ein Einwanderungsland und dementsprechend groß ist das kulinarische Angebot. Meeresfrüchte und Obst sind besonders köstlich. Die vorzüglichen Weine gehören zu den Weltspitzenerzeugnissen. In den mit ‘B.Y.O.’ (bring your own) gekennzeichneten Restaurants werden in der Regel keine alkoholischen Getränke ausgeschenkt. Sie können diese aber selbst mitbringen.

Stromversorgung:

220/250 Volt Wechselstrom, 50 Hertz.
Dreipolige Flachstecker sind üblich; es wird deswegen empfohlen, auf jeden Fall einen passenden Adapter mitzunehmen.

Führerschein:

Neben dem nationalen muss in Australien auch ein internationalen Führerschein vorgelegt werden können. Diesen erhalten Sie bei Ihrer Führerscheinstelle. Sie dürfen damit Fahrzeuge gleicher Klasse wie in Europa fahren.

Verkehr:

Außer in den großen Städten ist die Verkehrsdichte relativ gering.
Achtung: Linksverkehr!

Verkehrsverstösse:

Das Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit wird für Australier mit 3 Punkten und 150 $A geahndet. Bei vier Vergehen dieser Art wird für ein Jahr die Fahrerlaubnis eingezogen. Auch ein Rechtsanwalt kann hier nicht helfen.
Deshalb ist auch für Touristen eine angemessene Fahrgeschwindigkeit empfehlenswert. Die Geldstrafen sind nicht unerheblich.

Sprache

In Australien wird Englisch gesprochen. Auf dem Land ist der `Aussie Slang’ anfangs sicher gewöhnungsbedürftig(z.B. ein Süsswasserkrokodil kann mit dem Kühlschrank verwechselt werden).

Währung

Währungseinheit: Australischer Dollar $A
1 Australischer Dollar = 100 Cents.

Devisenbestimmungen:

Einfuhr Fremdwährung: unbeschränkt

Einfuhr Landeswährung: unbeschränkt

Deklaration: Ja - bei Beträgen über 10.000 $A (Landeswährung oder Devisen) Meldung gegenüber der "cash transaction report agency" / australischer Zoll.

Ausfuhr Fremdwährung: unbeschränkt

Ausfuhr Landeswährung: unbeschränkt

Kreditkarten:

Alle gängigen Kreditkarten wie Mastercard, Visa, Diners Club und American Express werden nahezu überall akzeptiert.
Im Landesinneren und in kleineren Städten ist Barzahlung die Regel.

Impfungen


Bei der Einreise sind keine Impfungen vorgeschrieben. Abgesehen von einem Basisschutzprogramm für alle Reisenden (Diphtherie/Tetanus/Polio, Hepatitis A und B, Typhus), empfiehlt das Centrum für Reisemedizin unter
www.TravelMED.de und www.CRM.de . jedoch für alle Reisenden bei längeren Aufenthalten eine vorbeugende Impfung zusätzlich gegen Tollwut
.

Einreisebestimmungen

Sicherheitshinweise                              Ausführliche Hinweise erhalten Sie unter:
Kunsularischer Service                        
www.auswaertiges-amt.de
Länder- und Reiseinformationen
Deutsche Vertretungen

 

 

 

 

 

2. Klima - Australien

Durch die Lage Australiens auf der Südhalbkugel sind die Jahreszeiten um 6 Monate unterschiedlich mit den uns vertrauten Jahreszeiten. Von September bis November herrscht Frühling in „down under", Dezember bis Februar ist Sommer, März bis Mai ist Herbst und Juni bis August ist die beste Zeit zum Skifahren in den Snowy Mountains. Diese ausgeprägten Jahreszeiten gelten aber nur für den südlichen Teil Australiens. Im Norden (nördlich des südlichen Wendekreises) beginnen die Tropen, die kein Jahreszeitenklima, sondern ein Tageszeitenklima aufweisen. Zur Zeit des Monsuns ist der Norden besser zu meiden, im australischen Winter dagegen herrschen hier sehr angenehme klimatische Verhältnisse: warme Tage mit klarem blauen Himmel und angenehm kühlen Nächten. In diesen Gebieten wird nur zwischen der Dry (Trockenzeit) und der Wet (Regenzeit) unterschieden. In der Regel kann davon ausgegangen werden, dass die Temperaturen von November bis März überall im Land hoch sind.

Im Süden ist der Winter kalt mit viel Schnee in den Gebirgen. Noch kühler ist der winterliche Inselstaat Tasmanien, der durch die Bass Strait südlich von Melbourne vom australischen Kontinent getrennt wird.

Eine weitere Besonderheit der Lage auf der Südhalbkugel ist, dass die Sonne mittags im Norden steht. Man sollte das bei der Orientierung im Outback beachten !

Im Inneren des Landes kann es im Winter nachts sehr kühl werden, doch die Tage sind warm und sehr klar. Die Sommertemperaturen sind dagegen sehr heiß.

Für die Reiseplanung bedeuten die vertauschten Jahreszeiten: Im Süd-Winter vom australischen Süden in den Norden fahren, um den allmählichen Temperaturanstieg auszunutzen; Im Süd-Sommer von Nord nach Süd fahren, um der Hitze und den Monsun-Regenfällen im Norden zu entgehen.

Australien kann grob in 4 Klimazonen eingeteilt werden:

1. Tropen :

Zum Bereich der Tropen zählen die nördlichen Teile Queenslands, N.T. und Western Australia. In den Tropen herrscht das ganze Jahr über feucht-heißes Klima vor. Entlang der Küstenlinie fallen hohe Niederschläge während der Regenzeit (Dezember bis März). Im Landesinneren liegen die Temperaturen tagsüber deutlich höher, dagegen kühlt es nachts stark ab, so dass Temperaturen um den Nullpunkt erreicht werden können. Während den Sommermonaten ist die Hitze dagegen unerträglich. Von extremen Wandertouren wird zu dieser Zeit abgeraten.

2. Subtropen :

Die Subtropen liegen noch im Einfluss der Tropen, allerdings in abgeschwächter Form. Diese Klimazone umfasst vor allem Queensland und Teile Westaustraliens. Durch die abgeschwächten Temperaturwerte und ein ganzjährig angenehmes Klima ist diese Region für Urlauber attraktiv.

3. Kontinentale Trockenzone :

Unter den Trockenzonen versteht man in erster Linie die weiten Wüstengebiete Australiens (Outback). Niederschläge fallen hier nur während der Wintermonate oder überhaupt nicht. Durch die hohe nächtliche Energieausstrahlung (fehlende Wolkendecke!) können die Temperaturen in den Wüstengebieten nachts bis auf plus / minus Null Grad absinken. Es kann zu Frost kommen.

4. Gemäßigte Zone :

In den südlichen Teilen Australiens lässt sich das Klima auch als Mittelmeerklima beschreiben. Die Temperaturen schwanken zwischen 10°C und bis zu 38°C im Sommer. Nur die südlich vorgelagerte Insel Tasmanien hat ein etwas raues Klima, bedingt auch durch die Nähe zum Südpol.

Aus dieser weiten Fächerung von Klimazonen ergibt sich auch ein Vorteil für den Touristen: In Australien ist immer irgendwo das richtige Wetter für einen tollen Urlaub. So kann man im Juli im Norden am Great Barrier Reef Schnorcheln und Tauchen und im Süden Skifahren!

 


Die nachfolgenden Klimatabellen zeigen die klimatischen Verhältnisse ausgewählter Stationen.


 

 

Jan

Feb

März

April

Mai

Juni

Juli

Aug

Sep

Okt

Nov

Dez

Sydney

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Maximum °C

26

25

25

22

19

17

16

17

20

22

24

25

Minimum ° C

18

18

17

15

11

9

8

9

11

13

15

17

Niederschlag in mm

98

113

128

127

124

131

105

81

70

75

78

80

Wassertemperatur in ° C

22

22

22

21

14

17

16

16

16

17

19

20

 

 

Jan

Feb

März

April

Mai

Juni

Juli

Aug

Sep

Okt

Nov

Dez

Brisbane

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Maximum °C

29

29

28

26

23

21

20

22

24

26

28

29

Minimum ° C

27

20

19

26

13

11

9

10

13

16

18

17

Niederschlag in mm

162

164

145

87

69

69

57

47

48

75

95

130

Wassertemperatur in ° C

25

25

25

24

22

20

20

19

20

21

22

24

 

 

Jan

Feb

März

April

Mai

Juni

Juli

Aug

Sep

Okt

Nov

Dez

Darwin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Maximum °C

32

32

32

33

32

31

30

31

33

34

34

33

Minimum ° C

25

25

25

24

22

20

20

21

23

25

25

25

Niederschlag in mm

391

330

260

103

14

3

1

2

13

50

126

243

Wassertemperatur in ° C

29

29

29

28

28

26

26

24

27

27

29

29

 

 

Jan

Feb

März

April

Mai

Juni

Juli

Aug

Sep

Okt

Nov

Dez

Hobart

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Maximum °C

22

22

20

17

14

12

11

13

15

17

19

20

Minimum ° C

12

12

11

9

7

5

4

5

6

8

9

11

Niederschlag in mm

45

41

44

52

50

57

54

49

53

61

61

56

Wassertemperatur in ° C

15

15

15

14

13

12

12

11

11

12

12

13

 

 

Jan

Feb

März

April

Mai

Juni

Juli

Aug

Sep

Okt

Nov

Dez

Cairns

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Maximum °C

32

31

30

29

27

26

25

27

28

29

31

31

Minimum °C

24

24

22

22

20

18

17

18

19

21

22

23

Niederschlag in mm

399

441

464

177

91

51

30

26

36

35

84

167

Wassertemperatur in ° C

28

28

28

26

26

23

22

23

24

25

27

28



 

 

3.”See you later” - und andere Freundlichkeiten

 

Kulturunterschiede zwischen Deutschen und Australiern? Und ob!


Man stelle sich vor man betritt ein Geschäft in einem Einkauf -Center in Hamburg, Frankfurt am Main, München oder Berlin und eine freundliche Verkäuferin kommt mit den Worten auf einen zu und spricht: “Hallo, wie geht es Ihnen heute?”
Irritiert denkt der eine: „Moment, seit wann arbeiten Krankenschwestern im Einzelhandel?“ - Ein anderer: „Was geht die Tussi mein Befinden an?“
Ohne solche Bedenken sollte man in Australien schlicht und einfach “fine, thanks” antworten, selbst wenn einem zum Heulen zu Mute ist. Niemand ist ernsthaft daran interessiert, wie es einem geht. Es ist eine Floskel wie bei uns “Guten Tag, was kann ich für Sie tun?”

Zugegeben, einfach ist das nicht. Als “freundlicher Deutscher” versucht man die Frage zu beantworten oder zumindest ein “Bin ein wenig müde vom vielen Herumlaufen” oder “danke der Nachfrage, habe heute Nacht schlecht geschlafen” zurückzugeben.

Bei einem ausgiebigen Shopping-Bummel in Australien kann einem schon mal der Kragen platzen, wenn im x-ten Geschäftes zum 20. Mal der Satz: “Hello, how are you today?” geträllert wird. Meist warten Verkäuferinnen das obligatorische “I am fine” nicht einmal ab, sondern antworten monoton mit “Good, good” bevor man überhaupt den Mund aufgemacht hat. Da ist Gelassenheit und ein Lächeln angesagt.

Im “Land-Unter“ geht wirklich alles verkehrt herum. Du trittst jemanden auf den Fuss oder rempelst ihn an, mit einem Lächeln und einem “sorry“ entschuldigt sich der “Geschädigte“!?, wenn wir etwas mit unserem Greenhornenglisch nicht verstanden hatten, wurde beginnend mit dem “sorry“ die Frage, bzw. die Antwort langsam wiederholt !?
Ich hatte gerade den Mund zum “sorry“ geöffnet, als sich eine ältere Dame in der Fussgängerzone von Perth, ich bestaunte den “Fliegenden Radfahrer“ wie “Hans guck in die Luft“ und war dabei unachtsam mit ihr zusammen gestossen, zu mir aüsserte : “Entschuldigung, ich war zum falschen Zeitpunkt am falschen Fleck“. Kein Spruch wie etwa: “Du oller Esel, kannst nich richtch glotzen, koof Dir mal ne neu Brille“. Mir war es peinlich genug. Also, vor einer Reise nach Australien, in Deutschland kräftig das “sorry“ üben.

Sucht man nach kulturellen Unterschieden zwischen Australiern und Deutschen, dann ist die Art, wie jemand begrüßt und verabschiedet wird das beste Beispiel. Nicht nur sollte das “I am fine” immer griffbereit sein, auch auf ein “see you later” ist nicht etwa mit “ach ja, wann denn?” zu antworten, sondern mit “bye” oder ebenfalls mit “see you later”.
Ein “Auf Wiedersehen” einem “see you later” gleichzustellen fällt Deutschen schwer. Versteht man unter dem Einen ”auf ein (hoffentlich) nochmaliges Sehen” hört sich das andere nach “ich sehe Dich nachher (oder später)“ an. Vielleicht ist es das “DU” in dieser Floskel, was die Sache so persönlich macht, dass es irritierend auf uns wirkt?

Traurig an diesem Kulturunterschied ist, dass Australier dies auch auf andere “Freundlichkeiten” ausdehnen und da fällt der Gewöhnungprozess schwerer.
Mögen Deutsche einige oder viele schlechte Eigenschaften haben. Mögen sie unfreundlich, überheblich und besserwisserisch im Ausland auf Andere wirken, eines tun sie selten oder so gut wie nie. Wenn sie eine neue Bekanntschaft machen und bei der Verabschiedung anbieten: “Solltest Du mal nach Deutschland kommen, dann musst Du uns unbedingt besuchen. Und wohnen kannst Du natürlich bei uns auch” dann MEINEN sie was sie sagen. Und wenn dann der Besuch aus Australien tatsächlich vor der Tür steht, ist die Freude riesengross.
Doch wehe dem der annimmt, der Australier meine es ebenfalls Ernst. Sie sind ebenso schnell mit Dir “gut Freund” wie sie Dich auch wieder vergessen haben. Das ist hart und kann einem nahe gehen. Aber es ist eine Tatsache. Australien und Deutschland – nicht nur eine riesengrosse Entfernung.

Das Beste ist, man nimmt eine australische Einladung sofort an. Was bei uns eher verhaltend angeboten wird, ist in Australien schnell möglich. Da sitzt man irgendwo in einem Ort fest und wartet auf einen Bus, der sich bereits um Stunden verspätet hat und eine nette Dame bietet an, doch eine kalte Limonade zu trinken. Oder Freunde von Freunden sagen: “Wir haben ein Wohnwagen am Strand. Kommt doch übers Wochenende zu uns, wir feiern –OKTOBERFEST-***.” Unser Rat: Sofort zugreifen!
Aber - NICHT zu lange bleiben. Bereits am 3. Tag empfinden Australier einen Besuch als lästig. Auch wenn sie es nicht sagen - man “spürt” es!

Anmerkung***
OKTOBERFEST – ist für Australier gleich – DEUTSCHLAND.
Egal welchen deutschen “Herkunfts-Ort“ Du einem Australier benennst, er wird spontan ignoriert. Mit einem Lächeln erhältst Du die Antwort: “ach aus München kommst Du, da war ich auch schon, auf dem OKTOBERFEST“. Einfach lächeln und akzeptieren, egal ob Du aus Berlin, Köln oder sonst wo herkommst, es interessiert eh keinen.
Wir kennen zwar München sehr gut und auch “die Wiesen“, waren jedoch noch nicht auf dem Oktoberfest. Dafür durften wir zwei Tage als einzigste Deutsche am EXMOUTH – OKTOBERFEST teilnehmen. Dieses neue “Sportart“ findet in Australien alljährlich parallel zum Münchner – Oktoberfest statt(siehe Bericht über Exmouth).

Jede Nation hat ihre guten und schlechten Seiten. Das “how are you today” kann einem manchmal auf die Nerven gehen, die Unfreundlichkeit deutscher “Dienstleister” aber auch.

Mit dem “sorry“ sollte unsererseits wesentlich mehr im Umgang miteinander geübt werden.

Die Australier haben einen sehr ausgeprägten Nationalstolz.
Da wir mit unserem Greenhornenglisch ein Wörterbuch englisch – deutsch – englisch verwendeten, dies aber auch nur einmal in Gegenwart eines Australiers, ernteten wir etwas “düstere Blicke“, weil die Aussies eben keine Engländer, sondern Australier sind und es gibt australisch – deutsch – australische Wörterbücher!

Selten wurde uns so viel Gastfreundschaft, Herzlichkeit und Bereitschaft zur spontanen Hilfe entgegengebracht wie in Australien.


 

 

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